Das Geschenk

Trotzig halte ich mich am Leben fest.
Kein Gedanke ist dunkel genug,
um mich zum Loslassen zu ermuntern.

Geschlagen gebe ich mich nicht.
Selbst, wenn meine Seele vor Schmerzen kreischt,
mein Herz explodiert oder meine Augen
von all der Tränen wund erscheinen.

Ich ehre das Geschenk des Lebens,
auch wenn’s ein bittersüßes ist.

Pani Nowak

Das Glas in der Hand

hielt sie an die Wand,

den Boden ans Ohr gepresst,

nicht allzu fest,

wollte sie, ohne zu stören,

die Gespräche mithören,

zu denen sie ja

nicht eingeladen war.

lass uns einen ausflug machen

tree, baum, analog, lila, violett, purple, schwarz, black
eigenes Foto, aufgenommen mit der Diana F, lomochrome purple

es ist schon so viel zeit vergangen
seit wir den letzten ausflug machten.
uns kam so viel dazwischen.
das leben. krankheit. angst.
erst haben wir es nur aufgeschoben.
dann wieder verschoben.
es war noch nicht die zeit.
aufgehoben.
vorbei?

heilung braucht zeit
und ist nicht linear.
das vergisst man schnell unter der last,
die man trägt, unter dem druck, den man hat.
unter der aufkeimenden lebenslust.
doch der körper ist noch nicht so weit.
tag für tag. schritt um schritt.
es geht immer weiter.
und irgendwann
gehen wir wieder zusammen.

einen ausflug machen.

verloren sein

laterne, herbst, rot, orange, frau, feld, kleid, licht, sonnenuntergang, dämmerung

Eines roten Fadens gleich

zieht es sich durch dein Leben:

das Gefühl verloren zu sein.

Einen Platz finden

und ihn als deine Heimat deklarieren,

ihn dir nehmen und zu eigen machen,

auch, wenn du dort nicht hingehörst.

Verloren-sein wird womöglich nie ganz verschwinden

aber es kann mit dem Gefühl der Behaglichkeit Freundschaft schließen

und das nennt sich dann Zuhause sein

Am seidenen Faden

 

Die Angst vorm Leben

hält mich wach

am Tage und auch bei Nacht.

 

Trotzig liebend,

das Leben umklammernd

halte ich mich daran fest.

Ich lass niemals los,

seidener Faden, schwerelos.

 

Mein Herz macht einen Sprung,

schlägt, bekommt einen Stoß.

 

Rührselig träume ich mich in dich hinein,

die Angst wird bald vorüber sein.

Der Tag, die Nacht strömen dahin

wissend, dass ich noch stärker bin

 

 

Kinder ohne Gaben

Kinder, spielen, garten, laufen, Geschwister, Familie, Bruder, Schwester

 

In den Tod nahm er mit

die Träume von seinem Kind

 

Vom ersten Kind nahm er mit,

den Glauben, nicht an Gott,

sondern den an die Liebe,

ließ es sich rauben.

 

Vom zweiten Kind nahm er mit,

den Mut,

es blieb ein Künstler,

der nicht wusste, was er tut.

 

Vom dritten Kind nahm er mit,

die Freude,

im Innern wurd’s verdorren,

nach außen eine Augenweide.

 

Vom vierten und vom fünften Kind

nahm er die Erinnerung, geschwind

Sie waren noch so klein,

er würde nie ihr Vater sein.